Die richtige Idee finden - Selbständig in der Kaffeebranche

backyard coffee - Geschrieben am 15.03.2020

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Einleitung

Wir begleiten viele Existenzgründer auf Ihrem Weg in die Selbständigkeit und helfen, ein klares Bild der eigenen Idee zu zeichnen. In dieser Artikelserie erläutern wir, worauf es ankommt und wie man sich schrittweise voran bewegt, von einer Idee hin zum fertigen Coffeeshop. Es geht darum, Sicherheit zu gewinnen, Dinge planbar zu machen und Kosten und Zeiten besser abschätzen zu können.

Realitätscheck

Auch wenn es hart sein mag, ein Realitätscheck ist wichtig. Manche Idee ist noch nicht weit genug gereift, anderen fehlt es an jeglicher Substanz. Ein kritischer Blick hilft, die eigene Idee wettbewerbsfähig zu machen und solche Ideen auszusortieren, die zwar einen gewissen Charme besitzen, jedoch nicht zu einem tragfähigen Geschäftsmodell führen. Das Risiko und das damit verbundene sprichwörtliche Lehrgeld sollte man sich sparen. Für einen voll eingerichteten Coffeeshop können schnell Investitionen von 60.000,- EUR und mehr zusammen kommen, mit viel Luft nach oben.

Worauf es ankommt

Wer sich selbständig machen möchte, braucht neben der fachlichen Qualifizierung einen langen Atem. Die Vorbereitung und Umsetzung sind kräftezehrend und das geht nahtlos nach der Eröffnung in das Alltagsgeschäft weiter. Sich früh damit anzufreunden, dass mehrere harte Jahre auf einen zukommen, ist Voraussetzung für den Erfolg. Als Selbständiger muss man ein Multitalent sein. Neben einer Liebe zum Gast und zu den eigenen Produkten setzt man den Ton bei den Mitarbeitern, ist Vertrieb, Buchhaltung, Hausmeister und verantwortlich für generell alles. Dessen muss man sich klar sein und muss insbesondere die weniger attraktiven Aspekte beleuchten und sich bewusst für diese entscheiden.

Für den Gründer ist es wichtig, von der eigenen Idee überzeugt zu sein, diese wertneutral zu hinterfragen und die besten wirtschaftlichen Entscheidungen zu treffen. Nicht immer ist das alleine möglich, im Dialog ist Vieles einfacher. Die Auswahl der richtigen Gesprächspartner ist wichtig, zumindest sollte man sich bewusst sein, in welche Kategorie diese fallen. Im Familien- und Freundeskreis finden sich häufig Personen, die die Idee unterstützen und positiv bewerten, andere sind skeptisch und sehr vorsichtig. Wichtig in der Betrachtung ist die Einschätzung, ob diese Personen die fachliche Expertise besitzen, um die Geschäftsidee grundsätzlich zu bewerten. Man selbst sollte geerdet bleiben, die Idee nicht überbewerten, sich diese aber auch nicht zerreden lassen.

Um ein realistisches Bild zu erhalten, ist es unerlässlich, sich die fachliche Expertise anzueignen. Die Ausgangssituation ist oft ähnlich gelagert. Sehr häufig ist es eine Unzufriedenheit mit dem Job oder der aktuellen Lebenssituation. Einhergehend mit einer Liebe zum Produkt Kaffee. Man hat selbst so vielen Stunden in unterschiedlichen Coffeeshops verbracht, wie schön es wäre, selbst einen solchen zu betreiben. Wer aber nicht bereits lange Erfahrung als Barista besitzt, dem ist dringend angeraten, qualifizierte Kurse zu diesem Thema zu besuchen. Die Komplexität des Themas Kaffee wird meistens unterschätzt, doch wie will man ohne Kochkenntnisse etwas eröffnen, das über das Niveau einer Frittenbude hinaus geht? Neben der Möglichkeit, die eigenen Qualitätsstandards zu definieren, ist dieses Wissen unabdingbar, um Anschaffungen, Arbeitsprozesse und den Ladenbau zu planen. Da es Zeit braucht, gelernte Inhalte zu verinnerlichen, sollte man diesen Prozess sofort beginnen, parallel zu allen anderen Erwägungen.

Erste Schritte

Bevor der nächste große Schritt folgt, die eigene Idee formell festzuhalten, empfehlen wir, eine erste Marktanalyse durchzuführen. Welche Angebote gibt es in meiner Stadt? Welche davon sagen mir zu, welche nicht? Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Konzepte zueinander? Wie schätze ich die Wirtschaftlichkeit ein und wodurch sehe ich diese begründet? In welchen Stadtteilen/Nachbarschaften finden sich andere Anbieter? Wie passt meine Idee in diesen Kontext, ist diese einzigartig genug?

Am Ende einer Analyse steht eine lange List an Erhebungen. Auch außerhalb der eigenen Region zu schauen rentiert sich, wenn man vielseitige Konzepte mit einbeziehen möchte. Diese Erhebungen sollte man zunächst bewerten, entnehmen, was einem gefällt und aussortieren, was man in jedem Fall vermeiden möchte. Es entwickelt sich eine Vision des eigenen Vorhabens, die eigene Identität wird klarer. In den meisten Fällen nur für den Gründer selbst, aber das ist ein guter Ausgangspunkt. Hat man diesen Punkt erreicht, beginnt man mit der konkreten Planung der eigenen Idee. Die Idee wird formell festgehalten, verschriftlicht.

Verschriftlichen, das klingt nicht romantisch. Konkret geht es darum, von der abstrakten Idee im eigenen Kopf zu einem Konzept zu gelangen, das als Blaupause für die Umsetzung dient und auch im Rahmen der Finanzierung alle wesentlichen Inhalte für eine Entscheidung bereitstellen kann. Eine Idee ist eben nur das, ein flüchtiger Gedanke, idealisiert, mit vielen Lücken.

Brainstormings

Die erste Phase: Brainstormings. Hierfür sollte man sich mehrere Wochen Zeit nehmen. In dieser Phase geht es darum, kreativ zu sein, die eigene Idee weiterzuentwickeln. Es ist gut, wenn man diese Phase mit anderen Personen gemeinsam verbringt. Die wichtigste Hauptregel hierbei ist: keine Kritik! Man darf Rückfragen stellen, um Dinge besser zu verstehen (wie hat mein Gegenüber das gemeint?), jedoch soll der kreative Fluss nicht gestört werden. Oft führen drei, fünf oder zehn total schräge Ideen zu der einen genialen neuen Idee. Den Raum, das diese Dinge entstehen können, muss man lassen.

Für die Durchführung eines Brainstorming braucht man einen ruhigen Ort, unzählige Haftnotizen in diversen Farben und dicke Permanent Marker. Wenn möglich, sollte man ein dediziertes Zimmer dafür reservieren, in dem man die Wände mit den Haftnotizen vollhängen und diese dort für eine gewisse Zeit belassen kann. Ein Brainstorming ist interaktiv, man bewegt sich im Raum, heftet Notizen an, betrachtet, denkt nach und schreibt neue Ideen auf.

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Zur Vorbereitung eines Brainstormings stellt man Fragen/Themen auf, zu denen Antworten zu finden sind. Die Themenbereiche werden jeweils auf eine Haftnotiz geschrieben und an einer Stelle an einer Wand platziert. Für ein erstes Brainstorming nehmen wir gerne die folgenden Themenbereiche.

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  • Das sind meine Produkte
  • Das sind meine Kunden
  • Das macht mich besonders
  • Das sind meine Mitbewerber
  • Das kann ich gut
  • Hier brauche ich Hilfe
  • Das ist mir wichtig
  • Das möchte ich nicht
  • Was mir sonst noch einfällt

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Der Ablauf eines Brainstormings gliedert sich in drei Schritte. Im ersten Schritt versucht jeder Teilnehmer so viele Themen wie möglich mit Stichpunkten zu füllen. Man schreibt diese auf eine Haftnotiz und ordnet sie einer Frage/einem Thema an der Wand zu. Es empfiehlt sich, ein Zeitlimit zu setzen, irgendwo zwischen 15 Minuten und 30 Minuten. Man sollte vermeiden die Stichpunkte der anderen Teilnehmer zu lesen, Doubletten werden später aussortiert. In keinem Fall spricht man in diesem Schritt mit den anderen Teilnehmern über die Punkte. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Fragen/Themen unterschiedlich interpretiert werden und Antworten in unterschiedliche Richtungen zielen. Das ist völlig in Ordnung, denn der Fokus liegt darauf, zunächst Ideen und eine gewisse Substanz an Themen zu erarbeiten. Es gibt kein richtig, kein falsch, keine Einschränkungen.

Nach Ablauf des Zeitlimits geht man die einzelnen Antworten durch. Jeder Teilnehmer erläutert den anderen, was er geantwortet hat und wie die Antwort gemeint ist. Rückfragen sind zulässig, sofern sie dem Verständnis dienen. In keinem Fall dürfen Antworten kritisiert werden. Was wünschenswert ist, dass neue Ideen in dieser Phase entstehen, die direkt als Haftnotiz an die Wand kommen.

Im letzten Schritt ordnet man die Haftnotizen neu und gruppiert diese neu. Hierbei können neue Themen entstehen oder Haftnotizen zwischen den Themen verschoben werden. Doubletten werden aussortiert, wo nötigt werden Haftnotizen aufgeteilt, wenn diese offensichtlich verschiedene Themen aus verschiedenen Bereichen behandeln. In solchen Fällen schreibt man zwei oder drei neue Haftnotizen, verortet diese und entfernt die ursprüngliche Notiz.

In Summe muss man nicht mehr als eine Stunde aufwenden, um eine Brainstorming durchzuführen. Kürzer ist besser als länger, Kreativität kann man nicht erzwingen. Am Ende eines Durchlaufs steht eine Sammlung an Themen und Ideen, die die Grundlage für das nächste Brainstorming bilden. In den Köpfen der Teilnehmer werden alle diese Informationen verarbeitet, teils bewusst und teils unterbewusst.

Und danach?

Für das nächste Brainstorming bereitet man sich wieder vor, versucht die Fragen/Themen genauer zu fassen, erweitert diese. Welche Fragen/Themen es werden, ergibt sich aus dem Kontext, den Ergebnissen der vorherigen Durchläufe. Es empfiehlt sich, zwischen den Brainstormings einige Tage zu pausieren, der Folgetag ist in der Regel zu früh.

Je nach Umfang der Geschäftsidee entsteht über einige Wochen eine Sammlung der wichtigsten Ideen und Konzepte. Neben dieser Sammlung hilft dieses Vorgehen allen Teilnehmern, ein gemeinsames Verständnis auszubauen. Insbesondere wenn man nicht alleine gründet, ist es essentiell, dass alle Beteiligten die gleiche Sicht besitzen und zu allen wesentlichen Dingen eine einvernehmliche Meinung haben. In dieser frühen Phase kann an der grundlegenden Richtung noch sehr leicht gearbeitet werden. Geht man in die Umsetzung und stellt dann erst fest, dass es unterschiedliche Sichten gibt, wird es schwer.

Der Weg in die Selbständigkeit ist eine spannende Reise. Man sollte jeden Schritt davon positiv und als Teil des künftigen Erfolgs verstehen. Jetzt gilt es, den Rucksack zu packen und sich auf die Reise vorzubereiten.

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